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Interview zum Fachkräftemangel in Österreich

Dem Fachverband für Unternehmensberatung, Buchhaltung und Informationstechnologie Wien zufolge fehlen in Österreich insgesamt rund 20.000 IT-ExpertInnen. Durch die zunehmende Digitalisierung in allen Branchen wird der Bedarf nach IT Fachkräften andererseits immer größer.

In unserer 20 jährigen Erfolgsgeschichte von Workflow EDV GmbH haben wir uns als Softwareunternehmen, schon oft diesen Herausforderungen stellen dürfen.

Im folgenden ExpertInnen Interview beschreibt unsere HR Managerin Helga Gruber, MBA Ihre persönlichen Erfahrungen mit dem IT Fachkräftemangel in Österreich und gibt Einblick , wie solche Herausforderungen besonders von Klein- und Mittelunternehmen gemeistert werden können.

Gerade in der IT- Branche ist der Fachkräftemangel in Österreich besonders groß. Was sind Ihre Erfahrungen diesbezüglich?

H. Gruber: „Wir bemerken eine regelrechte „Schlacht“ um die hochspezialisierten IT-Fachkräfte. Besonders die deutschsprachigen ExpertInnen sind enorm gefragt und diverse Personalvermittlungsfirmen und Headhunter liefern sich das Match um die Besten und auch Teuersten. Es vergeht kaum ein Tag an dem SoftwareentwicklerInnen nicht von einem Recruiter kontaktiert werden und mit „tollen“ Jobangeboten gelockt werden.“

 

Was können KMUs tun, um sich bei der Fachkräftesuche gegen Großunternehmen durchzusetzen?

H. Gruber: „IT-Fachkräfte brauchen einerseits kreativen Freiraum um in ihrem Tun großartiges zu leisten und andererseits Vertrauen in ihre Fähigkeiten. Flache Hierarchien und Verantwortung in ihren jeweiligen Projekten lassen den ExpertInnen den Sinn an ihrer Arbeit erkennen. KMUs können bei den ExpertInnen mit Wertschätzung, Respektierung und Wahrnehmung ihrer Persönlichkeit punkten im Vergleich zur Anonymität in einem Großkonzern. Viele Fachkräfte bevorzugen ein großartiges Team versus „viel verdienen“.“

 

Was für Maßnahmen setzen Sie konkret als HR-Managerin, um diese Herausforderungen zu meistern?

H. Gruber: „Wir haben seit vielen Jahren eine Kooperation mit einer international tätigen Studierendenorganisation die uns sehr erfolgreich PraktikantInnen aus aller Welt vermittelt. Alle PraktikantInnen werden als gleichwertiges Teammitglied bei uns aufgenommen, bekommen interessante Tätigkeiten und lernen sehr viel dazu. Durch diese Integration fühlen sich die jungen Leute bei uns sehr gut aufgehoben und kommen oft nach Abschluss ihres Studiums in ihrem Heimatland, zu uns zurück.

Natürlich bedienen wir uns auch herkömmlicher Methoden wie Stellenausschreibungen auf diversen Kanälen, Schulen und persönlichen Empfehlungen.“

 

Wie sind Ihre Erfahrungen mit der Beantragung der Rot-Weiß-Rot Karte?

H. Gruber: „Beim ersten Mal war es natürlich eine große Herausforderung und ein Hoffen und Bangen bis zum Schluss, ob der Antrag durchgeht. Man hat doch auch eine große Verantwortung gegenüber den zukünftigen MitarbeiterInnen welche in der fernen Heimat alle Zelte abbrechen und hier in Österreich ein neues Leben beginnen möchte.

Bis jetzt haben wir alle Anträge positiv durchgebracht und wenn man einmal alle bürokratischen Hürden kennt, ist es gar nicht mehr so schwer, wie es am Anfang ausschaut. Allerdings achte ich schon im Rekrutierungsprozess sehr genau darauf, ob die KandidatInnen alle Kriterien der Einwanderungsbehörde erfüllen können.“

 

Warum nutzen nur wenige Unternehmen diese Möglichkeit?

H. Gruber: „Ich denke es ist eine Mischung aus einerseits Angst vor der Bürokratie und anderseits auch die Sorge ob die jeweilig rekrutierten MitarbeiterInnen auch dann wirklich ins Unternehmen passen. Oft passiert ja das gegenseitige Kennenlernen nur über Online Kanäle. Es braucht seitens des Unternehmens schon auch eine Portion an Offenheit, Flexibilität und Toleranz gegenüber Menschen. Ein weiteres Kriterium könnte die Sprache sein, da die zukünftigen MitarbeiterInnen meist nicht deutsch sprechen.

Die Personalabteilung ist beim Onboarding neuer MitarbeiterInnen über den Weg der Rot-Weiß-Rot Karte gefordert, die jeweiligen „Neuen“ auch bei der generellen Integration in Österreich zu unterstützen sei es in Form von Wohnungssuche, Versicherungen, Ärzte, Deutschkurse,…

In unserem Falle hat sich dies bis jetzt immer bewährt und ich kann sagen, seit wir ein so multikulturelles Team sind, macht das Arbeiten noch mehr Spaß.“

 

Hat sich die BewerberInnen Situation mit Corona verändert?

H. Gruber: „Wir waren in der glücklichen Lage auch während Corona zwei neue MitarbeiterInnen aufnehmen zu können. Ich denke das Onboarding hat trotz Lockdown gut funktioniert und sie waren unglaublich schnell produktiv. Generell bekommen wir mehr Initiativbewerbungen als früher was wahrscheinlich auf die hohe Arbeitslosenrate zurückzuführen ist.“

 

Abschließend: Was ist Ihr Tipp für HR ExpertInnen?

H. Gruber: „Ich rate allen KollegInnen auf eine digitale Personalakte umzusteigen sofern sie dies noch nicht gemacht haben. Mit dieser haben Sie alle Ihre Personaldaten auf Knopfdruck parat und können auch keine wichtigen Fristen übersehen wie z. B den Ablauf eines Aufenthaltstitels oder einer Arbeitsbewilligung. Speziell auch im Corona Homeoffice ist die digitale Personalakte unbezahlbar!“

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